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Schwerpunkt beim RC-Flugzeug einstellen: Schritt für Schritt

So findest und stellst du den Schwerpunkt deines RC-Flugzeugs ein – vom Auswiegen auf den Fingern bis zur Berechnung über die Flügeltiefe.

Übliche Angabe mm hinter der Nasenleiste

Beispiel Apprentice STS 70–90 mm, empfohlen 80 mm

Ohne Angabe (eCalc-Plausibilität) 25–38 % der MAC

Kurz gesagt

Den Schwerpunkt beim RC-Flugzeug stellst du nach der Anleitung ein: Dort steht er als Abstand in Millimetern hinter der Nasenleiste der Tragfläche, gemessen am Rumpf – bei der E-flite Apprentice STS zum Beispiel 70 bis 90 mm. Du unterstützt das flugfertige Modell mit eingesetztem Akku an diesen Punkten mit den Fingerspitzen oder einer Schwerpunktwaage, und es soll waagerecht bleiben. Kippt die Nase nach unten, schiebst du den Akku nach hinten, hebt sie sich, schiebst du ihn nach vorn; reicht das nicht, hilft Trimmblei. Fehlt eine Herstellerangabe, liegt der Schwerpunkt konventioneller Modelle laut eCalc-Rechner zwischen 25 und 38 Prozent der mittleren Flügeltiefe – für den Erstflug wählst du den vorderen, sichereren Wert.

Ein falsch ausgewogenes Modell kann laut Horizon Hobby zum Kontrollverlust und zu Schäden führen. Mit dieser Anleitung stellst du den Schwerpunkt in wenigen Minuten richtig ein.

Wo liegt der Schwerpunkt bei deinem RC-Flugzeug?

Das steht in der Anleitung, meist als Abstand von der Nasenleiste, also der Vorderkante der Tragfläche, gemessen an der Flächenwurzel direkt am Rumpf. Manche Hersteller, etwa E-flite und Hangar 9, nennen einen Bereich und zusätzlich einen empfohlenen Wert.

Der Schwerpunkt ist der Punkt, um den sich das Modell bei jeder Steuerbewegung dreht. Warum er für die Stabilität so wichtig ist, erklärt unsere Seite zur Technik von RC-Flugzeugen. Hier geht es um die Praxis. So sehen typische Herstellerangaben aus:

ModellSchwerpunkt laut AnleitungHinweis des Herstellers
E-flite Apprentice STS 1,5 m70–90 mm hinter der Nasenleiste, empfohlen 80 mm, an der Flächenwurzelmit eingesetztem Akku und geschlossener Akkuklappe prüfen
E-flite UMX Slow Ultra Stick40–46 mm hinter der Nasenleisteermittelt mit empfohlenem 150-mAh-Akku vorn im Akkufach
Multiplex EasyGlider PRO70 mm hinter der Nasenleiste, am Rumpf gemessenPunkt mit wasserfestem Stift auf der Flächenunterseite markieren
Hangar 9 J-3 Cub 10cc85 mm empfohlen, Bereich 76–95 mmbei leichtem Motor oder Schwimmern evtl. Gewicht in der Nase nötig

Hangar 9 betont, dass der angegebene Bereich auf Testflügen beruht. Du startest mit dem empfohlenen Wert und änderst danach nur schrittweise und vorsichtig.

Wie stellst du den Schwerpunkt Schritt für Schritt ein?

Modell flugfertig machen, Schwerpunkt anzeichnen, auf den Fingern auswiegen und den Akku so lange verschieben, bis das Modell waagerecht bleibt. Danach markierst du die Akkuposition und prüfst das Ergebnis im Flug.

  1. Flugfertig aufbauen: Tragflächen, Leitwerk, Haube und Fahrwerk montieren, den Flugakku einsetzen und sichern, die Akkuklappe schließen. Den Regler dabei nicht scharf schalten – Horizon warnt sonst vor Verletzungsgefahr.
  2. Schwerpunkt anzeichnen: Den Wert aus der Anleitung an der Flächenwurzel von der Nasenleiste aus abmessen und links und rechts vom Rumpf auf der Flächenunterseite markieren.
  3. Auswiegen: Das Modell aufrecht an beiden Markierungen mit den Zeigefingern unterstützen. Alternativ nennt Hangar 9 eine handelsübliche Schwerpunktwaage.
  4. Ablesen: Bleibt das Modell waagerecht, passt der Schwerpunkt. Kippt die Nase nach unten, schiebst du den Akku nach hinten; hebt sich die Nase, schiebst du ihn nach vorn.
  5. Nachhelfen: Reicht der Weg im Akkufach nicht, kannst du laut Multiplex auch einen separaten Empfängerakku versetzen. Erst wenn das nicht genügt, kommt Trimmblei an die passende Stelle.
  6. Markieren: Die gefundene Akkuposition im Rumpf kennzeichnen, damit der Akku nach jedem Laden wieder an derselben Stelle sitzt.
  7. Im Flug prüfen: Bei der Apprentice STS soll das Modell im Beginner-Modus mit Vollgas langsam steigen und mit 50 bis 60 Prozent Gas ohne Höhenruder geradeaus fliegen. Weicht es ab, korrigierst du in kleinen Schritten.

Der Schwerpunkt gehört deshalb zu jedem Check vor dem Erstflug eines RTF-Modells, zusammen mit Ruderrichtung, Ausschlägen und Reichweitentest.

Tipp

Setz die Fingerspitzen genau auf die Markierungen. Bei kleinen Modellen ist der erlaubte Bereich schmal: Bei der UMX Slow Ultra Stick liegen zwischen vorderster und hinterster Schwerpunktlage nur 6 mm.

Woran erkennst du, ob dein Modell kopf- oder schwanzlastig ist?

Am Flugverhalten: Ein kopflastiges Modell braucht ständig etwas gezogenes Höhenruder und steigt schlecht, ein schwanzlastiges reagiert nervös und braucht gedrücktes Höhenruder. Schwanzlastigkeit ist dabei das gefährlichere Problem.

Die Apprentice-Anleitung nennt als einfachen Test den Geradeausflug mit halbem Gas: Braucht das Modell dabei gezogenes Höhenruder, liegt der Schwerpunkt zu weit vorn, braucht es gedrücktes, liegt er zu weit hinten. Die übrigen Symptome stammen aus unserer Technik-Seite und dem Weight-and-Balance-Handbuch der US-Luftfahrtbehörde FAA für manntragende Flugzeuge – die Physik ist dieselbe.

MerkmalKopflastig (Schwerpunkt zu weit vorn)Schwanzlastig (Schwerpunkt zu weit hinten)
Geradeausflug bei 50–60 % Gasbraucht gezogenes Höhenruderbraucht gedrücktes Höhenruder
Reaktion auf Höhenruderträgeinstabil, nervös
Start und Steigflugschwerer abzuheben und zu steigen–
Gas wegnehmenNase fällt–
Landunghöhere Landegeschwindigkeit, Höhenruder reicht evtl. nicht zum Abfangenanfälliger für Strömungsabriss bei langsamem Anflug
Nach einem Strömungsabriss–schwer auszuleiten, Trudeln kann flach werden

Achtung

Fliege nie mit einem Schwerpunkt hinter dem hintersten Herstellerwert. Der Rechner eCalc warnt ausdrücklich davor, den Schwerpunkt beim Erstflug zu überschreiten, und empfiehlt immer den konservativeren, also weiter vorn liegenden Wert.

Was tust du, wenn der Akku nicht reicht?

Dann kommt Trimmblei ins Modell, und zwar so weit vorn oder hinten wie möglich, damit wenig Gewicht viel bewirkt. Vorher versuchst du, vorhandene Komponenten zu verschieben.

Multiplex rät beim EasyGlider, den Akku so zu positionieren, dass der Schwerpunkt mit möglichst wenig Ballast erreicht wird. Hangar 9 weist darauf hin, dass mit einem leichteren Motor oder mit Schwimmern zusätzliches Gewicht in der Nase nötig sein kann. Jedes Gramm Blei erhöht das Fluggewicht – und damit die Mindestgeschwindigkeit.

Klebe das Blei fest und sichere es so, dass es sich bei einer harten Landung nicht lösen kann. Auch Reparaturen verändern den Schwerpunkt: Kleber, Kohlefaserstäbe und Klebeband bringen zusätzliches Gewicht, und am weit hinten liegenden Leitwerk wirkt schon wenig davon stark auf den Schwerpunkt. Wie du sauber und leicht klebst, steht in unserem Ratgeber Schaumflugzeug reparieren.

Wechselst du auf einen anderen Akku, wiegst du neu aus. Die Schwerpunktangabe der UMX Slow Ultra Stick gilt ausdrücklich für den empfohlenen 150-mAh-Akku. Welche Akkutypen es gibt und wie sie sich unterscheiden, erklärt modell-bau.org im Beitrag zum RC-Akku und seinen Bauarten.

Wie findest du den Schwerpunkt ohne Herstellerangabe?

Über die mittlere aerodynamische Flügeltiefe, kurz MAC (Mean Aerodynamic Chord). Der Schwerpunkt wird als Prozentwert dieser Flügeltiefe angegeben, gemessen von ihrer Vorderkante; für konventionelle Modelle liegt er laut eCalc in der Regel zwischen 25 und 38 Prozent.

Die Flügeltiefe ist der Abstand von Nasenleiste zu Endleiste in Flugrichtung. Bei einem Rechteckflügel ist die MAC laut FAA einfach diese Flügeltiefe. Bei trapezförmigen, gepfeilten oder zusammengesetzten Flügeln wird die Rechnung aufwendiger – hier hilft ein Rechner wie cgCalc von eCalc, der MAC, Neutralpunkt und Schwerpunktbereich aus den Flügelmaßen bestimmt.

Zum Rechenweg: eCalc ermittelt zuerst den Neutralpunkt des ganzen Modells und zieht davon ein Stabilitätsmaß ab. Empfohlen werden 5 bis 12,5 Prozent der MAC, wenn der Rumpf mitgerechnet wird, und 10 bis 17,5 Prozent ohne Rumpf. Das FAA-Handbuch nennt für manntragende Flugzeuge etwa 25 Prozent der mittleren Flügeltiefe als Punkt, an dem die Flugeigenschaften normalerweise gut sind.

Für Nurflügel und Deltas gelten andere Werte, die du ebenfalls mit einem solchen Rechner bestimmst. Liegen Herstellerangabe und Rechnung auseinander, nimmst du für den Erstflug den weiter vorn liegenden Wert.

Musst du ein Flugmodell auch seitlich auswiegen?

Bei kleinen, symmetrischen Schaummodellen meist nicht. In keiner der hier genannten Anleitungen kommt ein seitliches Auswiegen vor, und auch die FAA nennt die seitliche Balance bei Flugzeugen in der Regel unkritisch.

Ist eine Tragfläche deutlich schwerer, etwa nach einer Reparatur oder durch ein einseitig verlegtes Bauteil, zeigt sich das im Flug: Laut FAA muss dann das Querruder dauerhaft gegensteuern, was zusätzlichen Widerstand erzeugt. Prüfen kannst du das, indem du das Modell entlang der Rumpfmitte an Spinner und Heck anhebst und beobachtest, ob eine Fläche absinkt. Ein kleines Gewicht an der leichteren Flächenspitze gleicht das aus.

Häufige Fragen

Ist leicht kopflastig besser als schwanzlastig?

Ja, vor allem für den Erstflug. Ein zu weit vorn liegender Schwerpunkt macht das Modell träger, ein zu weit hinten liegender instabil und anfälliger für Strömungsabrisse, wie das FAA-Handbuch beschreibt.

Ändert ein größerer Akku den Schwerpunkt?

Ja, wenn er mehr wiegt oder anders im Akkufach sitzt. Wiege nach jedem Akkuwechsel neu aus und markiere die Position für jeden Akkutyp getrennt.

Warum soll der Empfänger bei Stabilisierung nah am Schwerpunkt sitzen?

Spektrum empfiehlt in der Anleitung zum AR631, den Empfänger bei SAFE-Setups so nah wie praktikabel am Schwerpunkt einzubauen. Wie die Sensoren arbeiten, steht im Beitrag zu AS3X, SAFE und Gyro.

Gilt der Schwerpunkt auch mit Schwimmern oder Kufen?

Nicht automatisch. Hangar 9 nennt Schwimmer ausdrücklich als Grund, warum zusätzliches Gewicht in der Nase nötig sein kann – wiege nach jedem Umbau neu aus.

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