Videosender 5,8 GHz max. 25 mW EIRP
Offene Kategorie Beobachter neben dir Pflicht
Im Verband (DMFV, MFSD) Brille bis 30 m ohne Spotter
Kamera an Bord Betreiberregistrierung nötig
Kurz gesagt
FPV mit dem Flugzeug heißt, dass du dein Modell über ein Live-Videobild aus der Cockpitperspektive steuerst – mit Bordkamera, Videosender und Videobrille. In Deutschland ist das erlaubt, aber nicht allein: In der offenen Kategorie muss nach der EU-Durchführungsverordnung 2019/947 eine zweite Person direkt neben dir das Modell ständig mit eigenen Augen beobachten. Im Rahmen der Verbände DMFV und MFSD gilt der Flug mit Videobrille bis 30 m über Grund als Flug in Sichtweite, darüber brauchst du einen Spotter. Der Videosender darf im 5,8-GHz-Band laut Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur höchstens 25 mW EIRP abstrahlen, und wegen der Kamera brauchst du eine Betreiberregistrierung (e-ID).
Dieser Überblick erklärt Technik, passende Modelle und die Regeln für den FPV-Flug mit dem Flugzeug. Alle rechtlichen Angaben: Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung.
Was ist FPV beim Flugzeug?
FPV steht für „First Person View“, also die Sicht aus der Ich-Perspektive. Eine Kamera im Modell filmt nach vorn, ein Videosender funkt das Bild live zum Boden, und du siehst es in einer Videobrille oder auf einem Monitor. Gesteuert wird weiterhin mit dem normalen Sender.
Bildfunk und Steuerfunk sind zwei getrennte Funkstrecken. Die Fernsteuerung arbeitet meist im 2,4-GHz-Band, wie auf der Seite zu Fernsteuerung, Sender und Empfänger beschrieben, das Videobild läuft bei den hier vorgestellten Systemen über 5,8 GHz. Fällt das Bild aus, hast du das Modell also weiterhin unter Kontrolle – vorausgesetzt, du findest es mit bloßem Auge oder dein Beobachter sagt dir, wo es ist.
Welche Ausrüstung brauchst du für FPV?
Du brauchst eine FPV-Kamera, einen Videosender mit Antenne im Modell und am Boden eine Videobrille oder einen Monitor mit passendem Empfänger. Grundsätzlich gibt es analoge und digitale Systeme. Digitale Systeme liefern laut Herstellern hochaufgelöste Bilder mit geringer Verzögerung, sind aber meist an Brillen desselben Herstellers gebunden – DJI etwa nennt für seine O4 Air Unit nur eigene Brillen als kompatibel.
| System (Herstellerangaben) | Art | Gewicht Luftteil | Leistung 5,8 GHz (CE) | Latenz | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| DJI O4 Air Unit | digital | ca. 8,2 g mit Kamera | unter 14 dBm EIRP | ab 20 ms | 4K-Aufnahme an Bord, Brillen nur von DJI |
| Walksnail Avatar HD Pro Kit | digital | Sender 17,6 g, Kamera 9,5 g | unter 14 dBm EIRP | im Schnitt 22 ms | 8 GB interner Speicher, 1080p |
| Analogsender im Sonicmodell AR Wing (PNP) | analog | keine Angabe | 200 mW (keine CE-Stufe genannt) | keine Angabe | 40 Kanäle, Kamera mit 600 TVL |
Die Angabe 14 dBm entspricht rund 25 mW. Beide Digitalsysteme bleiben im CE-Modus also unter der deutschen Grenze, während der analoge Sender im AR-Wing-Paket mit 200 mW angegeben ist. Was das bedeutet, steht weiter unten. Reichweitenangaben der Hersteller über mehrere Kilometer spielen für dich übrigens kaum eine Rolle, denn das Modell muss immer in Sichtweite bleiben.
Welches Flugzeug eignet sich für FPV?
Gut geeignet sind Modelle mit Platz für Kamera und Technik, ruhigem Flugbild und Reserven für das Zusatzgewicht. Nurflügler bieten sich an, weil ihr breiter Mittelteil viel Raum bietet – Sonicmodell bewirbt beim AR Wing einen geräumigen Technikschacht mit Kühlluftführung und Halterungen für Actionkameras. Mehr zu Bauformen, Elevons und Handstart findest du im Beitrag Nurflügler für Einsteiger.
Auch ein gutmütiger Hochdecker kann eine FPV-Plattform sein, wenn Kamera und Sender sicher Platz finden. Wichtig: Jedes Gramm Technik verändert den Schwerpunkt. Prüfe ihn nach dem Einbau neu, wie es die Anleitung Schwerpunkt beim RC-Flugzeug einstellen zeigt, und fliege das Modell zuerst auf Sicht ein, bevor du die Brille aufsetzt.
Assistenzsysteme sind ausdrücklich erlaubt. Der DMFV-Leitfaden (Stand 05/2024) nennt Gyro beziehungsweise Kreisel und Rückkehrfunktionen als zulässige Sicherheitshilfen, vollständig autonome Flüge dagegen nicht. Stell zusätzlich das Failsafe sauber ein – wie es funktioniert, erklärt der Lexikonbeitrag zum Failsafe auf modell-bau.org.
Darf man in Deutschland FPV fliegen?
Ja, aber in der offenen Kategorie nur mit einer zweiten Person. Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe d der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 verlangt, dass du das Modell jederzeit in Sichtweite hältst – Ausnahmen gibt es nur für den Follow-me-Modus und für den Einsatz eines Beobachters. Eine Videobrille allein ersetzt die Sichtweite nicht.
Die EU-Agentur für Flugsicherheit EASA begründet das so: Eine FPV-Brille bietet kein ausreichend weites Sichtfeld, um Gefahren rund um das Modell zu erkennen. Deshalb braucht jeder FPV-Flug in der offenen Kategorie einen Beobachter. Die Verordnung nennt ihn „Beobachter des unbemannten Luftfahrzeugs“, oft heißt er einfach Spotter. Nach Punkt UAS.OPEN.060 Nummer 4 steht er neben dir, beobachtet das Modell direkt mit eigenen Augen, und zwischen euch muss eine klare und effektive Kommunikation vereinbart sein. Den in der speziellen Kategorie zusätzlich vorgesehenen Luftraumbeobachter brauchst du als Hobbypilot in der offenen Kategorie nicht.
So bereitest du einen FPV-Flug mit Beobachter vor:
- Flugort prüfen: Flugverbotszonen, Abstände und Erlaubnis des Grundstückseigentümers klären.
- Beobachter einweisen: Er bleibt direkt neben dir und schaut nur auf das Modell und den Luftraum, nicht auf einen Monitor.
- Kommandos absprechen, etwa für „Flugzeug von links“, „Person im Flugfeld“ und „sofort landen“.
- Failsafe am Boden testen und den Flugbereich so wählen, dass dein Beobachter das Modell jederzeit klar erkennt.
- Bei Bildstörungen sofort Brille absetzen und auf Sicht zurückfliegen oder den Anweisungen des Beobachters folgen.
Daneben gelten alle übrigen Regeln der offenen Kategorie, etwa höchstens 120 m Flughöhe, Haftpflichtversicherung und Flugverbotsgebiete. Die Übersicht dazu findest du auf der Seite Regeln für RC-Flugzeuge in Deutschland.
Was gilt für FPV im Modellflugverein?
Als Mitglied eines Luftsportverbands fliegst du nach dessen Regeln, die das Luftfahrt-Bundesamt nach Artikel 16 der EU-Verordnung genehmigt hat (§ 21f LuftVO). DMFV und MFSD erlauben FPV mit Videobrille bis einschließlich 30 m über Grund als Flug in Sichtweite, auch ohne zweite Person. Oberhalb von 30 m brauchst du einen Spotter.
Die Standardisierten Regeln für Flugmodelle (StRfF) des MFSD konkretisieren das in Abschnitt 6.2.5: Der Spotter hat das Modell ständig im Blick, beobachtet den Luftraum, wird vor dem Flug eingewiesen und muss relevante Ereignisse klar an dich weitergeben. Gegenüber bemannten Luftfahrzeugen weichst du in der Regel nach unten aus. Beide Verbände betonen außerdem, dass die Brille nicht dazu dienen darf, weiter wegzufliegen, als du das Modell ohne Brille sicher steuern könntest.
Tipp
Ein Vereinsgelände ist für den FPV-Einstieg ideal: Der Luftraum ist bekannt, es gibt eine Flugordnung, und erfahrene Piloten können als Spotter einspringen. Frag vorher, ob auf dem Platz FPV-Flüge erlaubt sind und welche Frequenzen andere Piloten nutzen.
Wie stark darf der Videosender in Deutschland sein?
Höchstens 25 mW EIRP im Bereich 5.725 bis 5.875 MHz. So steht es in der Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur für Geräte geringer Reichweite (Vfg. 91/2025 vom November 2025) für „nicht näher spezifizierte Anwendungen“. Wer keine eigene Frequenzzuteilung hat, muss sich mit seinem Videosender an diese Grenze halten.
EIRP bezeichnet die tatsächlich abgestrahlte Leistung einschließlich des Antennengewinns. Eine Antenne mit Gewinn erhöht also den Wert, auch wenn der Sender selbst auf 25 mW steht. DJI und Walksnail geben für den CE-Betrieb jeweils unter 14 dBm EIRP an, das sind rund 25 mW.
Achtung
FPV-Technik wird international verkauft und kann oft mehr leisten, als hier erlaubt ist: DJI und Walksnail nennen für den US-Markt (FCC) Werte bis unter 30 dBm, der Analogsender im AR-Wing-Paket ist laut Sonicmodell mit 200 mW angegeben. Mehr als 25 mW EIRP deckt die Allgemeinzuteilung nicht ab. Prüfe vor dem ersten Flug, ob sich dein Sender auf eine zulässige Stufe einstellen lässt, und nutze bei digitalen Systemen den CE-Modus.
Was musst du bei Kamera und Datenschutz beachten?
Eine FPV-Kamera macht dein Modell registrierungspflichtig. Laut Luftfahrt-Bundesamt müssen sich Betreiber registrieren, wenn ihr Fluggerät 250 g oder mehr wiegt oder einen Sensor zur Erfassung personenbezogener Daten hat. Die Gebühr beträgt für Privatpersonen 20 Euro, die Registrierungsnummer bringst du an jedem Modell an.
Außerdem gelten Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Der DMFV-Leitfaden weist ausdrücklich auf die DSGVO hin, gerade beim Einsatz einer Kamera. Über fremde Wohngrundstücke fliegst du mit einem Kameramodell nur mit Zustimmung von Eigentümer oder Nutzer – die Ausnahme für leichte Modelle gilt nur, wenn sie nichts aufzeichnen oder übertragen können.
Häufige Fragen
Darf mein Beobachter auch eine Videobrille tragen?
Nein. Der Beobachter muss das Modell nach UAS.OPEN.060 direkt mit eigenen Augen beobachten. Er darf zwischendurch nicht auf einen Bildschirm schauen.
Brauche ich für FPV einen Kompetenznachweis?
In der offenen Kategorie ab 250 g Startmasse ja, den EU-Kompetenznachweis A1/A3. Unter 250 g reicht die Registrierung wegen der Kamera, im Verband gelten eigene Nachweise ab 2 kg.
Wie weit darf ich mit Videobrille fliegen?
Nur so weit, wie dein Beobachter das Modell klar sehen kann. Im Verband darfst du mit Brille nicht weiter fliegen, als du das Modell auf direkte Sicht sicher steuern könntest.
Ist analoges FPV noch erlaubt?
Ja, die Allgemeinzuteilung schreibt kein bestimmtes Übertragungsverfahren vor. Entscheidend sind das Frequenzband und die Grenze von 25 mW EIRP.
Quellen
- Durchführungsverordnung (EU) 2019/947 (EUR-Lex)
- FAQ: Drone racing and flying with goggles (FPV) in the open category (EASA)
- § 21f Luftverkehrs-Ordnung (Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de)
- Leitfaden: Modellflugbetrieb im DMFV, Stand 05/2024 (DMFV)
- StRfF 6.2.5: Sichere Durchführung des Flugs in Sichtweite (MFSD)
- Allgemeinzuteilung für Geräte geringer Reichweite, Vfg. 91/2025 (Bundesnetzagentur)
- UAS-Betreiberregistrierung (Luftfahrt-Bundesamt)
- O4 Air Unit – Spezifikationen (DJI)
- Walksnail Avatar HD Pro Kit (Caddx)
- AR.Wing 900mm FPV Flying Wing (Sonicmodell)